Halloween in der Turnhalle: Judith Egger bei Esther Donatz

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Ein Monster reckt sich in den Galerieraum, streckt weiße, auf Krücken gestütze Tentakeln aus, in seinem Körper stecken Medizinbälle, diese furchtbar schweren, ledernen Folterinstrumente aus dem Schulsport. Ein amöbenhaftes Wesen ist an die Wand angeleint. Pferdetrensen werden zu Folterinstrumenten. Nicht umsonst hat Judith Egger den Ausstellungstitel dem Namen einer Produktlinie eines Strumpf- und Wäscheherstellers entlehnt. Die Objekte in ihrer Ausstellung SHAPE & CONTROL in der Galerie Esther Donatz rühren gründlich an kollektive Traumata wie schulische Schindereien mit monströsen Medizinbällen, die Diktatur körperlicher Perfektion und die damit verbundenen Versagensängste und Mißverhältnisse zum eigenen Körper. Gut, dass es nur ein Silikongeschwür ist, das da wuchert.

Judith Egger

SHAPE & CONTROL

Galerie Esther Donatz

bis 22. November 2013

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Herr, es ist Zeit. Für Artschwager, mehr oder weniger.

Artschwager Artschwager – noch warm eingepackt (c) Dagmar Schott

Jetzt mal Schluss mit Sommer. Endlich kann man wieder Anstand und Kultur walten lassen – sei es mit mondän-züchtigen Schals, derbem Schuhwerk, dem Besuch der vielen Veranstaltungen und Ausstellungen des Münchner Kunstherbstes oder einem Drink in der Goldenen Bar. Wobei das eine das andere nicht ausschließt, sondern aufs Prächtigste ergänzt.

Apropos Goldene Bar: Dieser ist ja bekanntlich mit dem Haus der Kunst ein größerer Kulturbetrieb angeschlossen, und dort eröffnete am 10. Oktober die Ausstellung mit Werken des Bildhauers und Malers Richard Artschwager. Die Kunst des Meisters des Resopal, des deformierten Mobiliars, der Verführung durch die ideale Oberfläche oder der Verstörung durch deren Gegenteil steht Pop-Art, Minimalismus und Konzeptualismus nahe. Die umfangreiche Retrospektive wurde vom Whitney Museum in New York organisiert.

Eine mehr oder weniger ungewöhnliche Vermählung von Kunst und Kommerz findet seit Juli im temporären Design Concept Store Haeppi Piecis an der Maximilianstraße statt. „Mehr oder Weniger“ ist die Anfang Oktober eröffnete Ausstellung des Münchner Künstlertrios Beate Engl, Martin Schmidt und Olaf Unverzart betitelt, die sich mit der Schnittstelle von Design und Kunst befasst und dabei jeder Festlegung entzieht. Genau so wie der Showroom mit dem, nun ja, etwas albernen Namen.

Ganz Kunstfans haben im Herbst an zwei Wochenenden Gelegenheit, das am sommerlichen Isarstrand Versäumte nachzuholen: Am 19. Oktober findet zum nunmehr 15. Mal der Kunstmarathon der langen Nacht der Museen statt. Drei Wochen später laden 19 Münchner Galerien von Andreas Binder bis Thomas Modern zum Kunstwochenende ein – Auftakt sind die Vernissagen der Galerien am Freitag, 08. November von 18 bis 22 Uhr .

Genug Programm, um nicht in den Alleen hin und her, sondern zur Kunst zu wandern, wenn die Blätter treiben.

25. Open Art: Über 7 Ausstellungen sollst du gehen

kv2 Hilft’s? (Kunstverein)

Die Open Art Wochenenden in München haben für mich immer auch etwas mönströses: Wie um Himmels Willen soll man das alles ansehen? Ein Wochenende würde gar nicht ausreichen. Und die Kunstkammer im meinem Kopf wohl auch nicht. Also Plan P wie „planlos“. Einfach irgendwo einsteigen und die am Wegesrand liegenden Ausstellungen einsammeln. Geht besonders gut im Pinakothekenviertel, da reihen sich die Galerien wie an der Schnur.

storms2 Stanislav Kolibal bei Storms

1. Station: Walter Storms. Ich staune immer wieder über die museumsartigen Hallen. Storms zeigt die Arbeiten des tschechischen Bildhauers Stanislav Kolibal, der einst ein Wandrelief für Brasilia entwarf, in der Zeit des kalten Krieges Arte Povera produzierte, die zum Teil nur noch auf Fotos überliefert ist, und aktuell in großflächigen Wandarbeiten und zarten Aquarellen Geometrie und Schichtung des Raums variiert.

2. Station: Barbara Gross. In den nach Storms-Besuch ein wenig mickrig wirkenden Hofräumen an der Theresienstraße sind Arbeiten von Andrea Büttner zu sehen. Großformatige Holzschnitte, Hinterglasbilder und monochrome Leinwände werden vor „Caput Mortuum“ gefärbter Wand zu einer Rauminstallation. Erfrischend fromm: Thema der Holzschnitte ist der Hl. Franz von Assisi.

vandeloo Einblick van de Loo

3. Station: Wenige Schritte weiter eine kleine, sehr feine Fotoausstellung im Showroom der Galerie JO VAN DE LOO mit Arno Schidlowskis Langzeitprojekt „Jasmund“. Die auf Rügen entstandenen Aufnahmen zeigen märchenhaft entrückte, unbedingt romantische und doch kitsch- und pathosfreie Landschaftsmotive.

4. Station: Überraschung! Gleich nebenan im noch kleineren Ladenlokal von knust x kunz +  Kunst von der Elfenbeinküste. Ein Fotograf mit dem wunderbaren lautmalerischen Namen Clic Clac Baby, ein versponnener Zeichner (Frédéric Bruly Boabré) und ein dessen Erfindungen ins dreidimensionale Leben holender Bildhauer (Camara Dembra) in einer kleinen Gruppenausstellung.

schöttle Martin Creed

5. Station: Bei Schöttle gehts britisch zu. Im Erdgeschoss zeigen ins ganz große Format überhöhte Fotos von Martin Creed: Einen sehr großen und ein sehr kleinen Hund. Albern oder britischer Humor? Spannender ist’s im Obergeschoss: Echte Schwergewichte sind die Arbeiten von Steven Claydon, unheimlich komplexe, symbolbeladene und handwerklich perfekte Installationen, die sich lesen lassen wie ein Buch – oder eine Straßenbahnhaltestelle von Beuys.

6. Station: In der Hinterhofgalerie von Esther Donatz glänzt der gesamte Boden kupferfarben, in einem s/w Video dreht ein einsamer Skater seine Runden in einer leeren Fabrikhalle. Allard van Hoorn heißt der interdisziplinär arbeitende Künstler, der hier auch mit einer Soundinstallation auf der Gästetoilette ferne Stadtgeräusche ins stille Örtchen bringt. Raffiniert und schön die Lichtinstallation „Skies over Snaefell“, die Internet-Bilder vom Himmel über dem isländischen Vulkan auswertet und in Lichtfarben transferiert.

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Kunstverein: Wandgemälde von Fernando Corona

7. Station: Kunstverein mit 4 Projects in Mexico. Eine von diesen Inszenierungen, für die man einen ganzen Tag lesenderweise in den Ausstellungsräumen verbringen müsste. Hindurchwandernd erschließt sich die (über?)ambitionierte Schau kaum. Sie versammelt dokumentarisch Projekte aus mexikanischen Kunstzentren/-räumen, eine bebilderte Lesung von Chris Kraus, in Mexiko entstandene Arbeiten des Münchner Designers Manuel Raeder und Produkte  aus dem Umfeld des Kulturzentrums Mexicali Rose. Was nimmt man, von der Fülle überfordert, mit? Dass mexikanische Wandmalerei immer noch knallt  – und dass billige Plastikstühle mit handgeflochten Mützen ziemlich klasse aussehen.

25. Open Art: 13./14./15. September 2013 Alle Teilnehmer und Termine hier

Wer dann noch kann: Passend zur Wiedereröffnung der Pinakothek der Moderne am 14.09. gibt’s das  Kunstareal-Fest am Sonntag, dem 15.09. Unter dem Motto „Begegnungen. Das Kunstareal München“
lädt der FÖRDERKREIS KUNSTAREAL gemeinsam mit seinen Häusern und weiteren Institutionen am 15. September zum ersten Kunstareal-Fest ein.

Andrea Hillen und Anni Rieck in Weßling

Andrea Hillen
Begegnung (c) Andrea Hillen
Anni Rieck
Nest der vergessenen Träume (c) Anni Rieck

Die Münchner Künstlerinnen Andrea Hillen und Anni Rieck stellen zum 2. Mal im Fünfseenland aus: Nach einer Schau ihrer Bilder und Skulptur-Objekte in Seeshaupt geht es nun in Weßling am kleinen Weßlinger See weiter – am heutigen Samstag 22.09. um 16:30 eröffnet in der Galerie Ildikó Risse ihre nächste gemeinsame Ausstellung. Obwohl Hillen und Rieck ganz unterschiedliche Ansätze zeigen – Hillen mit ihren leuchtend-farbigen Ei-Tempera-Gemälden, Rieck mit nahezu monochromen, zarten Papier-Plastiken – werden in der gemeinsamen Inszenierung spannende Analogien erfahrbar.

Eröffungsrede zur Ausstellung als PDF: Andrea Hillen Anni Rieck

Tipp zum mehr sehen am See: Die Galerie Risse hat Sonntags von 15:00 bis 18:00 geöffnet!

Andrea Hillen – Anni Rieck

Galerie Ildikó Risse

Hauptstr. 57

82234 Weßling

Ausstellung vom 22.09. bis 21.10.2012

Do. bis So. 15:00 bis 18:00 Uhr

Alle meine Künstler: Private View IV bei Andreas Grimm

Ausstellung Andreas Grimm

Mit Arbeiten von Katarina Burin, Damien Cadio, Andreas Chwatal, Nana Dix, Jeff Grant, Daniel Robert Hunziker, Leonhard Hurzlmeier, Peter Riss, Stefan Sandner, Matt Saunders, Felix Schramm, Lisa Tan und Cornelius Völker zeigt Andreas Grimm in seiner jährlichen Group Show einen Querschnitt durch sein Galerieprogramm.

Private View IV

Andreas Grimm Gallery

20 April 2012 – 31 Mai 2012

Eröffnung: 19 April 2012 , 19:00 – 21:00

 

 

Freispruch für’s Ornament bei Grimm

Andreas Chwatal & Leonhard Hurzlmeier, Entwurf, Detail, 2011

„Abendland“ ist die kommende Ausstellung zweier junger Münchner Künstler bei Andreas Grimm betitelt: Andreas Chwatal und Leonhard Hurzlmeier zeigen Installationen, Zeichnungen sowie Malerei – und verwandeln mit konkreter Ornamentik und verspielten Assemblagen den Galerieraum in ein Gesamtkunstwerk.

Andreas Chwatal & Leonhard Hurzlmeier
Abendland

10. Juni – 30. Juli 2011
Eröffnung: Donnerstag, 09. Juni 2011, 19.00 bis 21.00 Uhr

ANDREAS GRIMM MUNCHEN
Türkenstrasse 11
80333 München