Herein spaziert: Kunst im Schwabinger Karrée 2010

Zum nunmer siebten Mal öffnen am 10. und 11. Juli 2010 mehr als 130 professionelle KünstlerInnen in und um die Herzog-, Schleißheimer-, Theresien-, und Leopoldstraße die Türen ihrer Atelier- und Arbeitsräume für das Publikum und gewähren Einblicke in Alltag und Schaffen.

Nähere Informationen unter 089-30 63 79 13 oder

www.kunst-im-karree.de

Pläne und ein umfangreicher Katalog sind bei 84 GHz, Georgenstraße 84, München erhältlich.

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Lebensentwurf vs. Klischee vs. Realität: Symposium „The Artist Feeling“ in der Lothringer13

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Wie arbeiten, wie leben Künstler? Überkommene romantische Vorstellungen vom Bohème-Leben greifen schon lange nicht mehr, wenn es um die künstlerische Existenz in einem marktgetriebenen Produktionsumfeld geht.

Kuratoren, Künstler und Publizisten sind die Referenten in der sicher hochinteressanten tagesfüllenden Veranstaltung The Artist Feeling – EXISTENZANALYSEN in der Lothringer13, die in Kooperation mit der IGBK Berlin entstanden ist. Anschließend Fete, „Come as an Artist!“

Programm als PDF

Beginn Sa., 11.07.09 um 11.00 Uhr

Plots . Characters . Modelle .

Zeichnungen, Aquarelle und Tonobjekte von Katrin von Maltzahn

Character 3, 2007

von Maltzahn: Character 3, 2007 (Foto: Galerie von maltzahn fine arts)

Am Dienstag, dem 8. April 2008, eröffnet von maltzahn fine arts mit einer Ausstellung der Berliner Künstlerin Katrin von Maltzahn. Katrin von Maltzahn beschäftigt sich in ihren Arbeiten auf ungewöhnliche und ebenso analytische wie poetische Weise immer wieder mit Zeichen, insbesondere Buchstaben.

18 bis 21 Uhr, Begrüßung 19.30 Uhr, die Künstlerin ist anwesend
Ausstellungsdauer 9. April bis 10. Mai 2 008

Aus meinem Text zur Ausstellung:

Die Funktionen der üblichen Schreibprogramme sind den meisten geläufig. Eine davon birgt, erlaubt man sich ein wenig explorative Spielerei bei der Arbeit, immer wieder hübsche Überraschungen. Es ist die Funktion „Einfügen/Sonderzeichen“, die nicht auf der Tastatur angebotene sprachspezifische Zeichen und Icons verfügbar macht. Wie z. B. das skandinavische „å“ oder das deutsche „ß“. Auf der Suche nach dem gewünschten Zeichen begegnen dem Nutzer exotische, undeutbare Lettern. Ein Exkurs in den grafischen Niederschlag fremder Sprachen könnte beginnen …

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Gemälde und Collagen von Kurt Behrens bei von maltzahn

Mit Kurt Behrens zeigt Egbert von Maltzahn ab dem 7. November einen Künstler, der beruflich sein Leben lang mit Kunst und Kunsthandwerk zu tun hatte, allerdings nicht produzierend, sondern sozusagen „auf der anderen Seite des Ladentisches“. Jetzt zeigt Behrens seine in den letzten 30 Jahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit entstandenen Arbeiten erstmals in der Galerie im Fruchthof.

Dazu aus meinem Einführungstext zur Ausstellung:

Ein Besuch beim Künstler: Die Tür öffnet sich zu einem Interieur aus antiken Sammlerstücken und modernen Objekten. Dazwischen: In ausgewählter Rahmung Gemälde, deren schwarzes Linienwerk im Zusammenspiel mit einer ganz eigenen Farbigkeit konzentrierte Gebilde ergeben, welche auf den meist weiß belassenen Hintergründen zu schweben scheinen und trotzdem mittels eines geheimnisvollen, rein formalen Magnetismus spannungsvoll im Format verankert sind.

Als reinen Autodidakten kann man Kurt Behrens nicht bezeichnen. Er hat sich von Jugend an dem Zeichnen und Malen verschrieben, von den sonntäglichen Museumsbesuchen mit dem Vater nach dem Kirchgang im heimischen Bremen über einen Mal- und Zeichenkurs im Worpsweder Barkenhof, Abendkursen in Bremen beim Expressionisten Tappert und anderen Künstlern, später auch in München, und nicht zuletzt mittels einer ständigen und unvoreingenommenen Schulung des Auges. In seinem Beruf, der ausgebildete Textilkaufmann Behrens war acht Jahre Geschäftsführer und darüber hinaus viele Jahre Interior Designer der legendären Münchner Firma Bernheimer (damals am Lenbachplatz), empfing er wichtige Impulse für sein künstlerisches Schaffen, so wie dieses auch seinen beruflichen Werdegang befruchtete. Nach München war Behrens ursprünglich der Kunst wegen gekommen, die Picasso-Ausstellung 1955 im Münchner Haus der Kunst wurde ihm viele Jahre später als eines seiner künstlerischen Schlüsselerlebnisse bewusst.

Kurt Behrens‘ seit 30 Jahren entstandenes Oeuvre von Collagen und Gemälden ist ein Mikrokosmos von eigener formaler Naturgesetzmäßigkeit, die ein rätselhaftes Formleben hervorbringt. Die Auflösung liegt dabei immer erst beim Betrachter, was scheinbar ungegenständlich daherkommt, entpuppt sich als Ableitung aus Figurativem und umgekehrt. Behrens macht uns zu neugierigen Seh-Forschern in einer gleichermaßen fremdartigen wie vertrauten Zeichenwelt.

In der Serie der „Landschaft imaginär“ betitelten Collagen aus den Jahre 1977/78 breitet er unter dem Eindruck früher flämischer Tapisserien in die Fläche verdichtete Landschaften subtilster Farbigkeit aus. Bei den als Vorstudien zu seinen später malerisch umgesetzten Schöpfungen und Geschöpfen aufgefassten Collagen hingegen liegt in der Wahl des Materials, den farbigen Papierfetzen statt pastoser Farbe, ein ganz bewusster Vor-Schritt, um der Bildidee nahe zu kommen.

Malerei soll für Kurt Behrens ganz im Sinne Delacroix’ ein „Fest für die Augen“ sein. In seinen nicht großformatigen Bildern gilt kein „weniger ist mehr“, gibt es viel zu sehen, von durchaus auch humorvollen Verspieltheiten bis hin zu fernöstlichen Anleihen, die aus seiner Begeisterung für China Porzellane verschiedener Epochen herrühren. So gibt sich ein Auge als Yin Yang zu erkennen, lässt sich eine chinesische Weltenperle im auf „kaiserlich“ gelben Grund gesetzten „Fetisch mit Mond und Weltenperle“ entdecken, im „Stillleben mit Früchten“ das chinesische Schriftzeichen Fu für „Glück“ auf einer kleinen, bewegten Fahne. Und immer wieder sind es Gestirne, Sonne und Mond, die Behrens’ weniger in Auflösung als in Zusammenfügung begriffenen Köpfe und Körper begleiten und ihnen ein kosmisches Zuhause geben.

Vernissage, Dienstag, 6. November 2007, von 18 bis 21 Uhr

Ausstellung vom 7.11. bis 8.12.2007

Link zur Galerie siehe Blogroll!

von maltzahn fine arts: 1 Jahr – 7 Ausstellungen

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Eröffnung Hendrik Silbermann, Photo: Dagmar Schott

Seit einem Jahr wird am Großmarkt auch mit Kunst gehandelt: Am 11.10.2006 eröffnete Egbert von Maltzahn seine Galerieräume im ehemaligen Fruchthof mit Arbeiten des Performancers Bo Christian Larsson. Seitdem hat von Maltzahn ein vielfältiges und überraschendes Galerieprogramm präsentiert. Von den Münchnern Nana Dix, Sven Meyer, Daniel Breidt, dem Rheinländer Ulrich Moskopp, dem Wahlberliner aus Dresden Hendrik Silbermann bis hin zu Brian Berquist, der letztes Jahr im Alter von 70 Jahren bei von Maltzahn seine erste Werkschau zeigte (Berquist verstarb 2007 in seiner südfranzösischen Wahlheimat).

Lieber Egbert, ich gratuliere zu deinem Mut, deiner Ausdauer, deiner Neugier – mach weiter so!

Innere Distanz / Neue Arbeiten von Nana Dix









Collagen und Übermalungen auf Papier, Nana Dix 2006



Heile Welt ist ihre Sache nicht. Die oftmals preziös kleinformatigen Collagen und Übermalungen der Münchner Künstlerin Nana Dix stellen unsere gewohnte Bildrezeption immer wieder in Frage.

Vehement wird da die Hochglanzwelt der Magazine geschlachtet, um dekonstruiert, neu zusammengesetzt und in malerischen, oftmals Verletzungen nicht unähnlichen Eingriffen eine neue, oder „die“ Wirklichkeit zu offenbaren, die da lautet: Die Welt ist ein eitler Mummenschanz, hinter dem schönen Schein lauert der Abgrund, die Vergänglichkeit und der Tod. Das ergibt jedoch keinen Totentanz, sondern ganz im Gegenteil vor Lebendigkeit vibrierende Tableaus, denen die Farbe, etwa als pigmentstrotzende Tusche, ein Lebenssaft zu sein scheint, der geradezu ausbluten kann, zu Brandmal und Tätowierung wird, zur Wunde, zur Narbe, zum Röntgenblick.

Die Verarbeitung von Versatzstücken aus der Glamourwelt in beispielsweise ikonenhafte Schmerzensmänner- und frauen mag man durchaus medienkritisch deuten, teilt sich doch Misstrauen der Künstlerin in die Welt der idealen Bilder und Vorstellungen durch diese Verfahrensweise deutlich mit. Allerdings ist es kein erhobener Zeigefinger, mit dem Nana Dix vor der Verführung durch Scheinwelten warnt, sondern vielmehr der Finger, der in die Wunde gelegt wird, um uns im besten Sinne das Gruseln zu lehren. Nämlich als heilsamen Schock, als Neu-Begreifen der vertrauten Bilder.

In den jüngsten Arbeiten, zarten Monotypien, deren Motive sich dem Betrachter teilweise nur andeuten, gar zu entziehen scheinen, wird ein weiterer Aspekt der auch in dieser Hinsicht konsequenten Weiterentwicklung ihres Werkes spürbar: Poesie entsteht da, wo neue Zusammenhänge geschaffen werden, und gleichzeitig Raum bleibt für die persönliche Empfindung.

Die innere Distanz und damit einhergehende interpretatorische Öffnung zwischen den verarbeiteten Bildfragmenten, bildnerischen Eingriffen und hinterlassenen Spuren bewirken, dass hinter dem unmittelbar Erfassbaren nicht nur eine, sondern viele weitere Deutungs- und Bedeutungsschichten hindurchschimmern. Nana Dix tastet die fragile menschliche Scheingewissheit zwischen Erinnern, Erleben und Interpretation aus, indem sie ein gekonntes Spiel mit unseren Wahrnehmungsmustern, Sehgewohnheiten- und wünschen treibt.

Innere Distanz

Nana Dix

von maltzahn fine arts

14. März bis 21. April 2007

Eröffnung Dienstag, 13. März, 18 bis 21 Uhr

Ulrich Moskopp: Kurzhörfilme

Keiner muss alles machen. Die intensiven Dammar-Bildtafeln und Papierarbeiten, auch die Videoarbeit zum Volto Santo von Ulrich Moskopp überzeugen nicht zuletzt durch meditative Konzentriertheit und sinnliche, auch teilweise unberührbar-perfektionistische Materialästhetik.
Weitgehend enttäuscht war ich jedoch von den Kurzfilmen, die Moskopp am Abend des 30.01. bei von maltzahn fine arts zeigte. Außer in der auf aus den 70er Jahren stammenden Amateurmaterial basierenden Etüde, die Moskopp als kindlichen Zauberer, hinterlegt mit einer das Geschehen zusätzlich verrätselnden Tonspur zeigt, blieb mir zwar nicht das Kunstwollen, jedoch eine bezwingende eigene Haltung hinter den Arbeiten weitgehend verborgen. So können Überdeutlichkeit und jegliches Geheimnis vermissen lassende Bedeutungsaufladung hinübergleiten in das, was Moskopp sicherlich nicht im Sinn führte: Pathos und Kitsch. Schade.