Aurelien Reichert "Schiffe versenken"


Aurelien Reichert, 2005

Uns allen ist es vertraut, das heimliche „Schiffe versenken“ auf kariertem Rechenpapier während langweiliger Schulstunden. Viel braucht man nicht, Papier und verschiedenfarbige Stifte, und doch erwachsen für kurze Zeit aus den Koordinaten der Fläche Flotten und Insellandschaften, Triumphe und Niederlagen, Feindgefühle und Überlebenswille.

Mit seinen neuesten Arbeiten lässt Aurelien Reichert innere Topographien, in Analogie zu den fiktiven ozeanischen Welten des Schiffeversenkens, zu Schauplätzen der Auseinandersetzung mit sich selbst werden. Wer seine großformatigen Kohlezeichnungen kennt, die zuletzt im Salon anjagroeschel in Berlin zu sehen waren, wird von der neuen Farbigkeit überrascht sein.

Macht also eine eine Expedition in die neuen Welten des Reichert’schen Kosmos. Ich wünsche Dir ein volles Glashaus, Aurelien!

Vernissage: Donnerstag 27.10.2005, ab 19.00 Uhr
Ort: Radio-Werkstatt, Hohenzollernstraße 40 Rgb., 80801 München
Ausstellung: 28.10.2005 bis 9.11.2005 17.00 bis 20.00 Uhr
und nach Vereinbarung (0179.9416075)

Radiowerkstatt wieder aktiv

Mit einer Ausstellung neuer Arbeiten des Atelierbewohners Aurelien Reichert wird am Donnerstag, 27. Oktober, die Re-Aktivierung der Radiowerkstatt Hohenzollernstrasse als Raum für Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen eingeleitet. Vernissage ab 19:00, im Rückgebäude der Hohenzollernstrasse 40.

SUSANNE PITTROFF bei Francoise Heitsch


In der Galerie Francoise Heitsch zeigt Susanne Pittroff vom 13. Oktober bis 19. November unter dem Titel Crossing ihre Installation, Objekte und Zeichnungen, Eröffnung ist am 13.10. um19.00 Uhr. „Unterhaltsam“ wird’s im wahrsten Sinne des Wortes: Gut gepolsterte, comic-zitierende Gedankenblase kommuniziert scheinbar mit Sprechblasensilhouette an der Wand, oder in unserem Kopf, oder wir mit anderen, oder Susanne Pittroff mit uns? Form-Formeln und Erwartungsmuster im Diskurs. Unbedingt hingehen.

Galerie Francoise Heitsch, Türkenstr. 34, 80333 München
Di.-Fr. 14.30 – 19.00 Uhr, Sa. 22.00 – 15.00 Uhr
www.galerie-francoiseheitsch.de

Die entsetzliche Schönheit der Wunden

Nana Dix: Papi, 2005

Endlich habe ich es geschafft, Nanas neues Atelier in einem Werkstatthaus Nähe Ostbahnhof anzuschauen, und vor allem da auch die neuen Arbeiten, die mich schon auf kleinstformatigen Handy-Fotos sehr sehr neugierig gemacht hatten. Aufregende, feinsinnige und sehr dichte Arbeiten auf kleinen Leinwänden und Papier, collagiert, übermalt und überzeichnet mit glänzender und farbintensiver Sepiatusche. Mittels jener macht Nana Dix aus den ebenso überraschend wie stringend zusammengebrachten Versatzstücken der Hochglanz-Bilderwelt kleine ikonenhafte Kostbarkeiten, die gleichsam zu Guckkästen eines intimen Welt- und Gefühlstheaters innerer Verwundbarkeit werden.
Nana, danke für die schöne Fruchtbauchfrau! Bin sehr glücklich mit meinen beiden neuen „Dixen“.

Creator Mundi

Atelierbesuch zu reichlich später Stunde bei Aurelien Reichert in der Radiowerkstatt Hohenzollernstrasse. Wo er vor kurzem noch die Hell-Dunkel-Auslotungen seiner großformatigen Kohlezeichnungen zelebrierte, zeigte er uns gestern mit seinen neuen (farbigen!) Arbeiten die aufregenden Topographien bisher unbekannter Kontinente. Land- und Weltkarten, die einerseits mit der präzisen Scheingenauigkeit von Zeichenmaschine und Rapidograph verwirren und gleichzeitig, versehen mit Namen von Sehnsuchtsorten und nur einer eigenen, inneren, assoziativen Gesetzmäßigkeit folgend, zu wunderbaren Kopfreisen verleiten. Ich freue mich sehr auf noch mehr Expeditionen ins Unbekannte!

Open Art 2005: Schöttle / Grimm Rosenfeld / Dina4 / Zink & Gegner

Irgendwie komme ich ja nicht raus aus dem eigenen Kiez. Die gestern etwas laue Luitpold Lounge (trotz ganz wunderbar ironisch-glamourösem Live-Act Richard Ruin und Band) war für mich mal wieder Endstation des Galerieflanierens zum Eröffungsabend der Open Art. Danke für das Bier! (www.luitpoldblock.de)
Die passenden Bratwürste dazu gab’s vorher bei Dina4, fertig ist das cosy TV-Dinner: In Dina’s Garage die packende Dokumentation einer Wohnzimmerflutung von Susanne Kutter („Da, jetzt kommt die Palme vorbei“ – „Hätte nie gedacht, dass sich die tapfere Stehlampe so lange halten kann“ – „Ihh, das Fell kommt hochgeschwommen“). Macht verdächtig Spaß beim Anschauen, und greift, da Koinzidenz der Ereignisse, besonders jetzt weit über das gefilmte Geschehen hinaus. In den Ladenlokalen von Dina4 Projekte (www.dina4projekte.de) Beat Zoderers Schleifen und Schlaufen, am spannenden da, wo’s haptisch wird: Als Gummibänder im Leimgrund oder Wandrelief aus Metallbändern.
Rüdiger Schöttle zeigt Martin Creed, dessen Filzstiftserien dieses eher ungeliebte Mal-Zeichen-Mittel ganz schlicht rehabilitieren. Die Bilder von Frank Nitsche merke ich mir eher nicht, zu sehr oder zu wenig konstruiert? Bleibt mir zu vage (www.galerie-ruediger-schoettle.de). Bei Zink & Gegner (Videos und Fotoarbeiten von John Pilson – ja, das ist der mit dem ewig strauchelnden Büroangestellten, Biennale 2001?) war auch schon mal mehr los (www.zink-gegner.de), das Beste kommt zum Schluß:
Mein Liebling gestern Abend war Mat Collishaw bei Grimm/Rosenfeld, der mit seinen Video- und Fotoarbeiten in eine wunderschöne, böse, faszinierende Welt hinter den Spiegeln führt. „NO ONE IS INNOCENT“ – im wahrsten Sinne des Wortes fabelhafte Versuchsanordnungen zu (alb-)traumhaften Zwittersituationen zwischen Vertrauen und Angst, schönem Schein und abgrundtiefem Erschrecken (www.grimmrosenfeld.com).
Andrea und Lok, wie lange habt ihr noch durchgehalten? Schluß jetzt, das Badewasser wird kalt.

Der aktuelle ERZSTANDPUNKT.

In der Online-Ausgabe der „Münchner Kirchenzeitung“ des Erzbistums München und Freising nun der Standpunkt eines gekürzelten Verfassers zum „Passio“-Löwen von Nana Dix. Tenor: „Die will doch nur provozieren und für Publicity sorgen“. Aber lest selbst: „Unpassender Imageträger“

Ecce Leo!


Kaum ist man in der Sommerfrische, schon überschlagen sich die Ereignisse. Puuh. Gut, immerhin ein (sehr ausgewogener, danke Herr Neumaier ) Artikel im München-Teil der SZ am 11. August. Bin stolz auf Nana Dix, die in einem Kleinwagen mit drei randalierenden Kindern im Fond am Handy entspannt Interviews gibt und dann noch kluge Dinge sagt. Aber doch: Wo eigentlich bleibt die empörte Volksseele? Die Boulevardpresse? Das Sommerloch? Ach männo, seid Ihr alle in Euren Häusern am Gardasee? Weiterhin hoffend, dass sich eine Diskussion entwickelt… Wir bleiben dran.

Cafe Freiheit ertrinkt im Bier

Kurz nach Mitternacht erreichte mich folgender Hilferuf:

An Alle,
Hilfe, wir schwimmen im Bier!
Bitte kommt zahlreich und mit Freunden am 20. / 22. und 23.7. von 19 – 23 h in die Radiowerkstatt, Hohenzollernstraße 40 Rgb. und helft uns das Bier unserer Sponsoren (Bräuhaus Tegernsee und Kellerbier von Hacker-Pschorr) auszutrinken.
Am 21.7. sind wir zum letzten Mal mit „Freiheit gegen Bier und Suppe“ ab 21 h in der Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b, wir freuen uns auch dort über eure Teilnahme.
lg,
Andrea + Bettina


Na, dann wollen wir doch mal nicht so sein und kräftig mit anpacken!

Nana Dix‘ Löwen fahren der Stadt in die Parade

Nachdem inzwischen unzählige löwenförmige Werbeträger aus Kunstoff, Farbe, Hochglanzlack und recht wenig künstlerischer Freiheit das Stadtbild, ja doch, bunter machen, ist es an der Zeit, dass jemand mal eine weniger stromlinienförmige Variante in die Arena der Münchner Straßen schickt.

Diese Aufgabe hat mutig Nana Dix übernommen: Ihre zwei Löwen kommen mit ihrer aller Anbiederung zuwider laufenden Gestaltung thematisch ziemlich sperrig daher und werden (hoffentlich) für Aufmerksamkeit und Diskurs sorgen.

Ein sitzender, weißer Kunststofflöwe trägt die Wundmale Jesu Christi, eine Dornenkrone – und das Bild eines weinenden Mädchens am Herzen. Runde Medaillons, oder sind es Bullaugen, Screens, Buttons, eingebettet ins schiere Gold der Oberfläche, werden bei einem zweiten, schreitenden Löwen zum Spiegel der Begehrlichkeiten und Obsessionen.

Noch sind die Löwen von Nana Dix nicht aufgestellt (oben Atelierfotos, Copyright Nana Dix 2005), wir freuen uns jedoch schon mal über den Mut von Künstlerin (und Auftraggeber: Cafe Högl) zur Provokation und harren der Dinge, die da kommen. Sobald feststeht, wo und wann man die Leos sehen kann, hier mehr darüber.